Weniger ist mehr? Die Kunst des Telefonierens mit den Eltern

Von SabrinA - April 22, 2024

Kennst du das: Wie aus dem Nichts kommt dann dieser Gedanke.

Dieser Gedanke: Man könnte sich ja mal wieder bei den Eltern melden.

Auf einer Skala von 1 - 10. Wo steckt da deine Motivation? Im unteren Drittel?
Kann ich fühlen 😆

Vielleicht geht es dir auch so, dass das Telefonieren mit den eigenen Eltern sich eher wie ein Pflichtprogramm anfühlt.

Aber so ein lästiges Pflichtprogramm, was sich allein beim darüber nachdenken schon nach Ewigkeit anfühlt. Nach Schwere. Nach Trägheit.

Es kommen Gedanken hoch, wie:
Wann habe ich eigentlich das letzte Mal angerufen? Letztes Wochenende? Schon länger her?
Was gibts überhaupt Neues bei mir, was ich erzählen kann?
Bin ich eine schlechte Tochter, wenn ich NICHT anrufe?

Ah, und nicht zu vergessen, hörst du auch die Stimme eines Elternteiles, zum Beispiel deiner Mutter: „Es ist doch nicht zu viel verlangt, dass du dich mal bei uns meldest!“, oder „Man bekommt überhaupt nichts mehr mit von dir!“

Also ok… dann muss ich da wohl durch und anrufen - wird schon nicht so lange dauern.

Das Gefühl des Zwangs hinterfragen

Aber… ist das wirklich Sinn der Sache???

Fakt ist nämlich: Du bist nicht allein!

Laut einer Studie von Sky Mobile empfinden mehr als ein Drittel (34 %) aller befragten Kinder, Anrufe mit den Eltern als „unangenehm“, 32 % sagen, dass sie selten anrufen, und ein Fünftel findet es „seltsam“.

Was Gründe dafür sein könnten, deckt die Studie leider nicht auf.

Sicher ist aber doch, dass jeder seine eigenen Gründe hat.

Und ich wage nun, dir die Frage der Fragen zu stellen: WARUM quälst du dich denn überhaupt mit dieser Situation?

WARUM fühlt es sich für dich wichtig an, dich bei deinen Eltern zu melden?

Ist es nur um das Melden willen, also weil es gesellschaftlich verlangt wird?
Ist es, weil du dir nicht schon wieder Vorwürfe von deinen Eltern anhören möchtest?
Ist es, weil du als fürsorgliche Tochter wahrgenommen werden möchtest?

Ich weiß, sich selbst unangenehme Fragen zu stellen und wirklich aktiv darüber nachzudenken, macht genauso wenig Spaß wie der Anruf bei den Eltern 😉

Aber ich kann dir versichern, dass es sich lohnt, sich selbst einmal mit diesen Frage wirklich auseinanderzusetzen.

Denn es wird sich einiges dadurch verändern!

Qualität vor Quantität

Ich kenne die Telefonate mit deinen Eltern nicht aber ich kenne meine eigenen, früheren Telefonate mit meinen Eltern.

Das war immer so ein passives Zuhören - am liebsten habe ich auch nebenher noch was „Effektives“ gemacht, wie kochen, putzen, Wäsche machen, oder so.

Weil selbst erzählt hab ich ja eh nie was.

Nur Zuhören.

Und davon war ich meist auch genervt - viele Dinge wurden mir erzählt, die mich überhaupt nicht interessieren, z. B. von Nachbarn, Bekannten und Freunden meiner Eltern, die ich irgendwann mal flüchtig kennengelernt hatte.

Manchmal ging es auch um Themen oder Ansichten, die mich null interessierten.

Aber weil ich eine gute Tochter bin, halte ich das ja aus!

Ich vergleiche ein Telefonat mit deinen Eltern mal mit deinem Zahnputzverhalten. Das ist auch was, was (hoffentlich) zu deinem Alltag gehört (deine Eltern eben auch - das konntest du dir nicht aussuchen).

Putzt du deine Zähne 10 Mal am Tag, irgendwie, mit irgendeiner Bürste?

Oder putzt du deine Zähne 2-3 Mal am Tag, mit Technik und deiner ausgewählten Zahnbürste?

Qualität vor Quantität.

Fazit

Tut mir leid, dir das sagen zu müssen aber es gibt nicht DIE EINE LÖSUNG.

Du weißt genau, dass wir Individuen sind, und somit auch unsere Beziehungen sehr individuell sind.

Demnach gibt es kein Geheimrezept, was du jetzt bei mir kaufen kannst.

Aber ich gebe dir hier Denkanstöße, die du ganz individuell nutzen kannst, um dich selbst von diesem Zwang und Druck befreien zu können.

Es ist völlig egal, wie oft oder wie lange du mit ihnen telefonierst.

Viel wichtiger ist doch, dass du dich dabei wohl fühlst.

Und ich setze sogar noch einen drauf: Vielleicht freust du dich sogar, mal wieder bei deinen Eltern durchzuklingen.

Das kannst du dir nicht vorstellen?

Musst du auch nicht.

Vielleicht reicht es auch schon, ohne großes Gedankentheater, ohne Frust, ohne Zwang, bei ihnen anzurufen und mal kurz zu erzählen, wie es dir geht.

Vielleicht ist bei dir aber auch gerade viel los und du hast keine Lust zu telefonieren - das ist völlig legitim und es ist kein Grund sich schlecht zu fühlen.

Vielmehr geht es darum, es frei zu kommunizieren.

Ich weiß, da gehört Mut dazu.

Aber wenn du anfängst, ganz bewusst die Gefühle zu hinterfragen, die du diesbezüglich hast, dann können auch kleine Aha-Erlebnisse schon große Wirkungen haben.

Deshalb gebe ich dir hier einmal ein paar Denkanstöße

Drei kleine Rezeptfragen

1.) Erwartungscheck: Was erwartest du von dir selbst hinsichtlich deines Anrufverhaltens zu deinen Eltern? (Profi: Und warum erwartest du genau das?)
2.) Realitätscheck: Wann hast du das letzte Mal aus reiner Freude angerufen, ohne das Gefühl der Verpflichtung?
3.) Praxischeck: Wie kannst du die Telefonate mit deinen Eltern so gestalten, dass sie dir Freude statt Stress bereitet?

Wenn du dir diese Fragen einmal bewusst beantwortest, und vor allem die Entscheidung triffst, wirklich etwas verändern zu wollen, dann wird sich die Kommunikation zwischen euch grundsätzlich verbessern.

Dann wirst du viel weniger Frust, Zwang, Aufregung und Verpflichtung spüren.

Deshalb glaube nicht daran, dass sich irgendwann was von alleine ändern wird.

Oder das deine Eltern auf dich zukommen und sagen

„Ich finde, wir telefonieren in letzter Zeit viel zu häufig miteinander!“.

Wenn du dich fragst:

„Wo kann ich denn mehr über mich, meinen Kommunikationsstil und meine Rolle als Tochter lernen?“

Ganz einfach.

Bei mir 🤗

Du kannst auch z. B. anhand der oben geschriebenen Fragen anfangen, dich selbst zu reflektieren, und mehr in das Thema eintauchen.

Du kannst dich aber auch sehr gerne bei mir melden und wir machen das gemeinsam.

Sei neugierig, gestalterisch und mutig!

Bis zum nächsten Mal.

Ciao.

P.S.: Meine Telefonieren-Motivation steckte früher auf der Skala meist so bei 2 oder vielleicht sogar nur 1 😉

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